Samstag, 28. Juli 2012

Waffen, Wahnsinn, Warner Brothers



So ein Blog ist ja eine schöne Sache. Man kann Reviews schreiben, nötige und unnötige Informationen von sich selbst preisgeben... und vielleicht sogar einmal das eine oder andere ernstere Thema aufgreifen. Eine Chance, die ich heute tatsächlich einmal nutzen möchte.

An den wenigsten von uns dürfte wohl der Amoklauf in den USA zur Premiere des neuen Batman-Streifens vorbei gegangen sein. Falls dem doch so sein sollte hier eine kurze Zusammenfassung. Während der Premiere des Films ist in Aurora, Colorado der 24jährige James Holmes mit mehreren Schusswaffen im Kinosaal Amok gelaufen. Dabei sind 12 Menschen ums Leben gekommen, zudem gab es mehrere Verletzte. Gerüchteweise hielt sich Holmes für den Joker - und war zudem an seiner Universität bereits in psychiatrischer Behandlung.

Während wir hier in Deutschland bereits an die zwangsläufig darauf folgenden Diskussionen gewöhnt sind, blieben solche oder ähnliche Reaktionen in den USA anscheinend bislang aus, zumindest aber sind sie nicht in nennenswertem Ausmaß hier bei uns angekommen. Das ändert sich jetzt offenbar. Eigentlich liegt die Vermutung nahe, dass in einem Land wie den Vereinigten Staaten über eine Verschärfung des - zumindest nach unseren Maßstäben - sehr lockeren Waffengesetzes nachgedacht werden sollte. Wer jetzt damit gerechnet hat, liegt aber meilenweit daneben. Während einer der beiden Präsidentschaftskandidaten zumindest das Ansinnen hat, in Hinsicht auf Sturmgewehre etwas zu ändern, sieht der der andere keinerlei Handlungsbedarf. Ein trauriges Bild, wie ich gestehen muss, denn zumindest mir drängt sich hier der Eindruck auf, dass - Wahlkampf sei Dank - niemand Gefahr laufen möchte, die bekanntermaßen recht einflussreiche Waffenlobby zu verärgern. Stattdessen schießt man sich nun auf Gewalt in Filmen ein. Eine Situation, die uns nicht ganz unbekannt sein dürfte. Das irrtierende dabei ist aber, dass die kritischen Stimmen zum Gewaltlevel nicht nur aus Politik und Öffentlichkeit kommen, sondern dass Hollywood sich auch vielmehr selbst auf´s Korn nimmt. Die Weinstein-Company ist wohl einigen von uns ein Begriff, darum hier ein Statement von Harvey Weinstein persönlich:

"It’s a question that I wrestle with all the time [...] I’ve been involved with violent movies, and then I’ve also said at a certain point, ‘I can’t take it anymore. Please cut it.’ You know, you’ve got to respect the filmmaker, and it’s a really tough issue. My heart goes out to those kids and those families."

"I think, as filmmakers, we should sit down – the Marty Scorseses, the Quentin Tarantinos, and hopefully all of us who deal in violence in movies – and discuss our role in that.

Mir drängt sich dabei nun die Frage auf, ob es wirklich an den Filmemachern liegen sollte, sich die Verantwortung für diese Wahnsinnstat eines Einzelnen auf die Schultern zu laden. Man möge mich an dieser Stelle nicht falsch verstehen: natürlich bin ich für einen verantwortungsvollen Jugendschutz, auch wenn ich hinsichtlich der deutschen Zensurauflagen gerne einmal neidisch zu unseren österreichischen Nachbarn schaue. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass ich es wichtig finde, einem heranwachsenden nicht unbedingt jedes "Machwerk" zugänglich zu machen. Es ändert aber auch nichts an der Tatsache, dass ich den Handlungsbedarf nicht bei den Filmemachern sehe, sondern bei den Erziehungsberechtigten und gegebenfalls noch bei den für die Altersfreigabe zuständigen Institutionen. Meiner Meinung nach birgt ein Film oder ein Computerspiel nicht das alleinige Potential, jemanden zu einer solchen Tat zu verleiten. Es geht hierbei doch vielmehr um die Persönlichkeit eines Einzelnen, die zu solchen Bluttaten führt. Die Auslöser, oder besser gesagt die Gründe dafür, sind meines Erachtens nach zu vielfältig, um sie auf einen Film zu schieben. 

Die New York Times hat sich des Themas auch angenommen und sie hat sich allem Anschein nach auf ein Studio eingeschossen: Warner Brothers:

A Studio With Violence in Its Bones
Warner Brothers and Its Decades of Violent Films

Family films are in the DNA at Walt Disney.

Universal Pictures has a weakness for monsters.

And Warner Brothers? Its movies have often displayed a violent streak.

For decades Warner’s films have frequently put the studio in the middle of a perpetual and unresolved debate over violence in the cinema and in real life. That debate has been revived after the deadly shootings last Friday in an Aurora, Colo., movie theater at an opening night showing of “The Dark Knight Rises,” from Warner.

Ich stelle mir hier schon wieder eine Frage: warum gezielt Warner Brothers? Es gibt viele Studios in Hollywood und noch viel mehr Filme, in denen grafische Gewalt an der Tagesordnung ist - und längst nicht alle sind WB-Filme. Sicherlich, dieses Studio bedient eine bestimmte Zielgruppe recht ordentlich mit neuen Filmen, aber was soll daran verkehrt sein, wenn eben diese Zielgrupppe existiert? Und sie muss ja groß genug sein, schließlich gibt es das Studio schon ziemlich lange - ohne dass jemand auf die Idee gekommen wäre, ihm einen schwarzen Peter zuschieben zu wollen. Und die MPAA? Sagt bislang nicht viel zu diesem Thema, auch wenn eine Reaktion vermutlich nicht lange auf sich warten lassen dürfte, zumindest nicht jetzt, wo die Diskussion wieder in vollem Gange ist. Und eben diese Institution ist es, die am ehesten die Chance hätte, etwas zu tun. Nach allem was man liest, ist der Gewaltlevel in PG-13-Filmen in den letzten Jahren stetig angewachsen. Eine Entwicklung, die sich auch in manchen Filmen mit der deutschen FSK16-Freigabe abzeichnet. Wäre es jetzt nicht die logischste Schlußfolgerung, dass man über die Rating-Kriterien nachdenkt, statt auf die bösen Studios zu schimpfen, die die Filme produzieren? Natürlich, gerade wir Deutschen verbinden mit Altersfreigaben oftmals Schnitt- und Zensurauflagen (etwas, was ich an dieser Stelle ganz deutlich nicht gutheiße - Filme für Erwachsene sollten Erwachsenen auch in der vom Regisseur gewünschten Form zugänglich sein. Aber eben nur Erwachsenen. Das ist ein anderer Punkt, hier sind Kinos und Händler im Zugzwang, also passt´s nicht ganz zum Thema) - aber das ist eben meiner Meinung nach die Stelle, an der man am ehesten zugreifen kann. Die letztendliche Verantwortung für den Zuschauer kann aber niemand anders übernehmen als eben dieser selbst, im Falle von Kindern allenfalls noch die Erziehungsberechtigten.

Trotzdem bleibt immer noch eine Frage, die wohl auf absehbare Zeit nicht geklärt werden kann: Warum zum Teufel wird wieder in Medium in die Verantwortung gezogen, statt sich den eigentlichen Problemen zu widmen. Natürlich, man kann jetzt sagen, dass nicht Waffen Menschen töten, sondern die Schützen. Sicherlich eine nicht ganz falsche Aussage. Trotzdem wäre es meiner Meinung nach sehr viel wichtiger, hier zu handeln und den Zugriff zu erschweren, statt die die Schuld jemand anderem zuzuschieben. Man schließt damit zwar sicherlich nicht den Schwarzmarktkauf und den illegalen Import aus dem Ausland aus, aber es wäre ein Ansatz, den man verfolgen könnte. Aber es ist natürlich deutlich einfacher, eine Lobby nicht zu verärgern und stattdessen die künstlerische Freiheit von anderen oder gar sich selbst einzuschränken. 

In diesem Sinne. Ganz großes Kino!

Quelle für die Zitate und Stein des Anstoßes: Schnittberichte.com

Kommentare:

  1. Es ist einfacher, dem Studio die Schuld zu geben, als tatsächlich Gesetze zu ändern oder auf den Gewinn der Waffenindustrie zu verzichten. Die deutschen Medien reagieren auch nicht anders. Wenn ein "Amoklauf" vorkommt, sind sofort Medien oder bestimmte Gruppen schuldig und nicht das soziale Umfeld wie Eltern, Schulen, in welchen die Täter jahrelang erniedrigt und gedemütigt wurden, bis die Situation eskaliert. Und solange ein Schuldiger feststeht, ist alles in Ordnung und der Vorfall in ein paar Wochen vergessen. Dieses Verhalten ist seit jeher ein primitiver Bestandteil der Menschheit. Bereits im Mittelalter wurden lieber ein paar Unschuldige gehängt oder verbrannt, wenn der wahre Täter nicht gefunden wurde oder ein verheerendes Ereignis nicht erklärbar war. Die Bevölkerung ist zufrieden, bis es den nächsten Vorfall gibt.

    Die deutschen Nachrichten haben mich ohnehin verärgert. Der Täter wirkt im Gericht völlig apathisch, psychisch gebrochen, was bereits an Mimik und Augen bemerkt werden kann und dann kommen Aussagen wie "Er wirkt gleichkültig und eiskalt", nur damit der Zuseher manipuliert wird und nicht selbst nachdenkt. Ich persönlich sehe kaum fern und lese auch kaum noch Nachrichten, da die Menschen ohnehin nur manipuliert werden.

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  2. Natürlich, es wird der Weg des geringsten Widerstandes gegangen und "der Masse ein dankbares Opfer" präsentiert. Das ist es, was mich immer wieder aufregt, wenn solche Wahnsinnstaten passieren. Blos nicht mal überlegen, was das eigentliche Problem ist und den sinnvollsten Ansatzpunkt wählen.

    Was die Berichterstattung angeht, muss ich sagen, dass sie großenteils an mir vorbei gegangen ist. Ich selektiere mittlerweile auch sehr, was ich mir aus welchen Quellen an Nachrichten ansehe. Wie du schon sagst, zu viel Meinungsmache und Manipulation, zu wenig objektiver Inhalt.

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  3. Was ich mich als Mutter bei der ganzen Sache frage, ist, was eine 6-jährige um 0:31 Uhr im Kino zu suchen hatte...in einem Film wie The Dark Knight Rises. Da würden mich mal die genauen Hintergründe interessieren.^^

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  4. Die amerikanischen Freigabekriterien... mit Ausnahme des NC-17 dürfen die Kids alles in Begleitung der Eltern sehen, zu jeder Uhrzeit. Den Eltern gehören dafür die Hammelbeine lang gezogen, keine Frage.

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  5. Naja, was die Uhrzeit angeht, gibt es hier ja auch nur bedingt Gesetze zu.
    Sind die Kinder in Begleitung eines Elternteils, dürfen diese theoretisch auch um jede Uhrzeit ins Kino um einen Film zu gucken.
    Sofern die FSK-Freigabe dies gestattet.

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